Elise, geboren 1982
in Ostberlin

Foto: @ privat
„In der gesamtdeutschen Wahrnehmung ist der Osten immer noch unterbelichtet. Das will ich mit meiner journalistischen Arbeit ändern.“

Kurzbiografie

Elise wird 1982 in Ostberlin geboren. 1988 wird sie mit sechs Jahren eingeschult. Sie wird Jungpionierin und findet das blaue Halstuch und die weiße Bluse dazu schick. Mit dem wöchentlichen Zeremoniell des Fahnenappells auf dem Schulhof mit Kommandos, Pioniergruß und Stillstehen hingegen kann sie sich nicht anfreunden. Elise ist Klassenbeste und soll besonders gefördert werden. Deshalb soll sie ab der dritten Klasse auf eine so genannte Russisch-Schule gehen, mit besonderem Schwerpunkt Russischunterricht. Jetzt, bei ihrem Schulwechsel 1990, steht die Wiedervereinigung Deutschlands kurz bevor. Damit ändert sich auch das Schulsystem. Die Lehrpläne werden den neuen Bedingungen angepasst. An der neuen Schule wird der Russischunterricht abgeschafft. Stattdessen lernt Elise ab der dritten Klasse Französisch

Für Elises Familie bleibt der 9. November 1989 fest in Erinnerung. Sie sie sieht im Fernsehen, wie Tausende nach der Übertragung der Pressekonferenz über die neuen Reiseregelungen in Ostberlin an den Grenzübergängen stehen und das SED-Regime zwingen, die Grenzen zu öffnen. Elises Mutter sagt ihrer Tochter weinend vor Freude, dass sie sich diesen Tag für immer merken müsse.

Kurz darauf ist Elise das erste Mal in Westberlin. Die Siebenjährige findet alles wahnsinnig aufregend, obwohl sie quasi durch einen armen Stadtteil Westberlins laufen. Als sie das erste Mal in einen westdeutschen Supermarkt gehen, fühlt sich ihre Mutter von dem Überangebot komplett überfordert. Und auch Elise fragt sich, warum man beispielsweise zehn Sorten Butter braucht, wenn bislang auch eine gereicht hat.

In Elises Wohnumfeld in Ostberlin ändert sich den ersten Jahren nach dem Mauerfall wenig: Die uralte Straßenbahn, die grauen Hausfassaden, der Tante-Emma-Laden, die Trabis – alles ist noch da, als bestehe die DDR fort. Nur die Kaufhallen heißen jetzt Supermarkt und haben ein größeres Angebot.

In den Sommerferien geht es nun nicht mehr an die Ostsee, sondern mit einem alten VW-Bus nach Frankreich und in andere europäische Länder. In diesen Urlauben begegnet Elise Menschen, die aufgeschlossen und neugierig auf sie als „Ossi“ reagieren. Und sie lernt, ihre Mutter zu verstehen, die ihr den Wert der Freiheit erklärt, denn sie konnte ihre Träume in der DDR nicht verwirklichen.

Ab der siebten Klasse geht Elise auf ein Gymnasium im Stadtteil Lichtenberg. Das Gymnasium befindet sich zu der Zeit in einer verrufenen Gegend: nahe an der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR und in einem Kiez, der eine Hochburg für Neonazis ist. Auf dem Nachhauseweg hat sie Angst vor den Nazis. Sie beobachtet oft, wie diese den vietnamesischen Straßenhändlern auflauern. Aber auch Elises Kleidungsstil mit Kapuzenpullover und Schlaghosen reicht schon, um von ihnen provoziert zu werden. Nach der zehnten Klasse kann Elise auf eine Schule in Köpenick wechseln.

Nach dem Abitur studiert Elise Politikwissenschaften in Berlin. Sie befasst sich besonders mit autoritären und diktatorischen Systemen wie in der DDR. Besonders interessiert sie sich für die Entwicklung Ostdeutschlands. Sie findet, dass Ostdeutschland in der gesamtdeutschen Wahrnehmung zu wenig beachtet wird. Und als Elise nach dem Studium nach Hamburg geht, stört sie das große Unwissen über Ostdeutschland vieler Mitmenschen dort. Sie befürchtet, dass die Mauer in den Köpfen zwischen Ost- und Westdeutschen noch sehr lange bestehen bleiben wird. Mit ihrer journalistischen Arbeit möchte Elise etwas dagegen tun.

Elise wohnt und arbeitet heute in Berlin.

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